Urbanisierung 4.0 – Schöne neue Welt oder Horror vacui?

Science meets Fiction: Was Stadtplaner von BLADE RUNNER lernen können.
März 2018

Urbanisierung 4.0 – Schöne neue Welt oder Horror vacui?

Science meets Fiction: Was Stadtplaner von BLADE RUNNER lernen können.

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Die urbane Zukunft.

Die gute Nachricht vorab: Möglich, dass man in Hamburg, München, Frankfurt usw. nach Schicht und Feierabend-Cola bald nicht mehr stundenlang um den Block kurvt, um dann entnervt doch im absoluten Halteverbot zu parken. Unser Leben und Alltag in der Stadt wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ganz gehörig verändern. Und wer ist schuld? Die Digitalisierung. Natürlich. Wer auch sonst?

Die neuen Megatrends Digitalisierung, Individualisierung, Mobilität formen neue Städte.

In immer mehr Lebensbereichen schleicht sich das Digitale ein. Die Digitalisierung wird die Welt eher mehr als weniger verändern. Denn anders als die industrielle Revolution, die in erster Linie Produktionsprozesse revolutionierte und damit dem Analogen verhaftet blieb, fügt die digitale Revolution eine neue Dimension hinzu. Das wird die Art, wie wir seit Jahrhunderten denken, handeln, leben, eklatant beeinflussen. Zumindest bis 2025 wirkt die Digitalisierung als Wachstumstreiber schlechthin: Unternehmen, die sich digital etabliert haben, steigern Umsatz (+9%), Gewinn (+26%) und Wert (+12%). Künstliche Intelligenz wird den Arbeitsmarkt, den Verkehr und viele weitere Bereiche unseres Lebens auf den Kopf stellen. Wie das Internet der Dinge unsere tägliche Routinen.

Auch der Megatrend der zunehmenden Individualisierung trägt zu strukturellen sozialen, ökonomischen, ökologischen Veränderungen bei. Die Anzahl von Ein-Personen-Haushalten steigt, das Erwerbsleben fordert zunehmend Mobilität und Flexibilität, der Mensch als zeit-raum-souveräner Konsument erwartet individuelle Angebote, die sich an seine Lebenswirklichkeit anpassen. Eigentlich, so kann man die komplexen Szenarien zusammenfassen, bleibt kein Stein auf dem anderen. Womit wir ganz elegant beim Thema sind. Denn auch unsere Städte werden nicht so bleiben, wie sie sind.

DIE INTELLIGENTE STADT IST EIN MULTIFUNKTIONALES SYSTEM, DAS KEINE WÜNSCHE OFFEN LÄSST.

Weltrekord! Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends lebten erstmals mehr als 50% der Weltbevölkerung in Städten; die UN prognostiziert einen Anstieg auf rund 70% bis 2050. Was umso erstaunlicher ist, als dass derzeit Städte flächenmäßig lediglich 2% der Erdoberfläche in Anspruch nehmen. Insbesondere in Schwellen- und Drittweltländern wachsen und wuchern neue Megacities mit mehr als 30 Millionen Einwohnern. In den westlichen Industrienationen hingegen verlagert sich das Stadtwachstum nach innen. »Verdichtung« nennt sich die Strategie der Stadtentwickler, den zur Verfügung stehenden Raum möglichst effizient zu nutzen. Brachliegende Flächen und Gebäude werden neuen Zwecken zugeführt, Nischen werden genutzt, Städte wachsen in die Höhe und die Tiefe statt in die Breite.

Doch hier wie da: Es wird ganz schön voll. Nicht zuletzt, weil mehr und mehr Jobnomaden – in zehn Jahren werden es um die 40% sein, die alle zwei, drei Jahre ihren Arbeitsplatz wechseln – in die Städte drängen. Denn die intelligente Stadt ist ein komplexes System, das alles bietet, was der Mensch zum guten Leben braucht. Die Urbanisierung 4.0 fügt die im Zuge der Industrialisierung getrennten Arbeits-, Ruhe- und Verkehrsareale wieder zusammen. Als pulsierendes Wirtschafts- und Entwicklungszentrum, innovatives Testlabor, abwechslungsreicher Kultur- und Erholungsraum zieht die Smart City mit ihrem vielfältigen Angebot die creative class, Kernzielgruppe des Wissens- und Dienstleistungszeitalters, an.

Mark Zuckerberg macht’s vor: Bis 2021 soll ein kompletter Stadtteil für seine Softwarespezialisten entstehen – mit Supermarkt, Apotheke, Park, Restaurants und Bars, alles um die Ecke. Wer in einer der 1.500 Luxuswohnungen in Menlo Park logiert, braucht, zumindest wenn’s nach Mr. Facebook ginge, das Quartier überhaupt nicht mehr zu verlassen. Das nennt man dann wohl »Mitarbeiterbindung«…

SCIENCE MEETS FICTION: WAS STADTPLANER VON BLADE RUNNER LERNEN KÖNNEN.

Aber: Wie sehen sie aus, die Städte der Zukunft? Unterirdische Metropolen, durchgestylte High-Tech-Blasen in fernen Galaxien, dampfende Molochs – in Film und Literatur sind sie längst Wirklichkeit geworden. Nicht selten als dystopische Orte, in denen sich die Probleme der Gegenwart radikal zugespitzt haben. Nahrungsmittel- und Ressourcenknappheit, tief gespaltene Gesellschaften, Totalitarismus, Terrorgefahr sind beliebte Topoi. Dem gegenüber stehen aber auch Visionen von Städten als autarken Ökosystemen jenseits des Verkehrsinfarkts.

Fiktion hin oder her: Für die Stadt der Zukunft lässt sich daraus Relevantes ableiten. In einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung wurden 53 phantastische Werke unter die Lupe genommen, um Szenerien für die Stadtplanung zu entwickeln. Dabei haben vor allem die düsteren Varianten à la BLADE RUNNER Modellcharakter. Das »skizzierte Grauen [könne] als Warnsignal verstanden werden. Es biete die Möglichkeit, die Gefahren […] extremer städtischer Entwicklungen auszuloten«. Schöne neue Welt?

DIE SMART CITY DER ZUKUNFT IST DIE SCHÖNE NEUE WELT FÜR DIE MODERNEN WISSENSARBEITER.

Mit dem Zuzug von Unternehmen und Menschen gelangen Städte an ihre Kapazitätsgrenzen. Mit Hilfe der neuen digitalen Technologien werden Städte sich so verändern, dass sie den Aufgaben gewachsen sind, die ohne sie wahrscheinlich gar nicht bestünden. Straßen werden zu »shared places«, auf denen nicht mehr nur alles, was Räder hat, Platz findet. Die Möglichkeiten des autonomen Fahrens führen dazu, dass weniger Fahrzeuge Stau und Stress verursachen: Per App wird das Auto zum nächstgelegenen Parkplatz geschickt und wieder herbeigerufen. Sofern man nicht ohnehin längst auf alternative Fortbewegungsmittel oder – um sich die erforderliche Flexibilität und Mobilität zu bewahren – auf sharing-Angebote umgestiegen ist. Nutzen statt Besitzen lautet die Devise.

Augmented Reality liefert quasi im Vorbeigehen Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Unternehmen, Aktivitäten und macht Städte zu begehbaren digitalen Räumen, in denen Realität und Virtualität verschmelzen. Natur wird strukturell integriert, um Stabilität und Lebensqualität – ein entscheidender Faktor, der eine Stadt für die begehrte creative class zum attraktiven Standort macht – zu sichern. Durch die Verwendung intelligenter Baumaterialien, Naturierungs- und Begrünungskonzepte zur Lebensmittelgewinnung und Erholung werden Städte sich von Energiefressern zu Energieerzeugern entwickeln. Im Ecopolis der Zukunft reifen Generationen von Digital Natives zu kollaborativen Bürgern heran, für die Teilen, Tauschen, Partizipieren das Normalste von der Welt ist – und die lieber den Wäschedienst nutzen als sich mit der eigenen Waschmaschine den nächsten Umzug unnötig schwer zu machen. In der digitalisierten Stadt wird der vernetzte Bewohner zum aktiven Gestalter.

Verfasst von Alex Dankert.

UNSERE WELT VERÄNDERT SICH MIT JEDEM BIT. MACHEN WIR DAS BESTE DRAUS.

Was für ein Idyll. Statt Lärm und Hektik herrscht Ruhe und Vogelzwitschern in der Stadt. Selbstfahrende Elektrobusse schnurren durch die Straßen. Auf Verkehrsinseln wird nicht mehr unerlaubt geparkt, sondern gegrillt. Utopie? Vielleicht. Die Sache ist nur die: Wir haben es selbst in der Hand, die neuen Technologien »gewinnbringend« zu nutzen. Packen wir’s an:

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Der Artikel als Illustration.

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