Transparenz im Web: eine Täuschung?

Über Blockchain und was diese Technik so revolutionär macht.
Ein philophischer Diskurs zwischen Darknet und Notizbuch.
Januar 2020

Transparenz im Web: eine Täuschung?

Über Blockchain und was diese Technik so revolutionär macht.
Ein philophischer Diskurs zwischen Darknet und Notizbuch.

Nie wieder eine Kolumne verpassen?

Dann abonnieren Sie doch einfach unseren Newsletter!

TRANSPARENZ IM WEB: EINE TÄUSCHUNG?

Eines Sommers schrieb ich in mein Notizbuch, dass Transparenz in der Digitalen Welt eine Illusion ist; entzaubert durch die empraktische Überstilisierung eines unerreichbaren Lebensstandards. Nun, es muss ein sehr trockener Sommer gewesen sein, der mit hitzigen Erkenntnissen und dem Wunsch nach allgemeiner Unterkühlung einherging. Doch die Fragen nach der Zukunft unserer digitalisierten Welt füllen nicht nur bei mir schnell und übereifrig die immer seltener werdenden Leerräume aus, die entstehen, wenn wir ein Device beiseitelegen, unsere Off-Buttons betätigen oder die Bildschirme herunterklappen. Transparenz in der Digitalen Welt ist eine Illusion; entzaubert durch die empraktische Überstilisierung eines unerreichbaren Lebensstandards. Eine knurrige Sichtweise, die mir bei der Vorbereitung auf diesen Artikel wieder ins Auge fällt. Ich folge dem Impuls, zwischen den Zeilen zu wühlen: Steckt hinter meiner Aussage Überdruss? Furcht? Orientierungslosigkeit? Überforderung?

DIGITAL NATIVES ODER DIGITAL IMMIGRANTS?

Mein beruflicher Alltag findet vornehmlich in den Weiten des Webs statt; meine Generation besiedelt den Grenzbereich zwischen den Digital Natives und Digital Immigrants. Wir nutzen das Netz intuitiv und erinnern schwelgerisch seine Anfänge, wissen aber auch um die Magie lauer Sommerabende ohne Netflix und Co. Vielleicht spreche ich also als Kind meiner Zeit, wenn ich wechselweise Begeisterung, Skepsis, Zuneigung, Sorge und Faszination ausdrücke, während ich mich moderner Technologien bediene. Es geht um Veranlagung. Oder Annahmebereitschaft. Je mehr ich über digitale Themen schreibe und je tiefer mich meine Auftraggeber in die weitverzweigten Bereiche des modernen und durchdigitalisierten Lebens leuchten lassen, desto klarer wird mir: Das Web und seine Errungenschaften sind keine Angebote. Es sind Antworten. Transparenz in der Digitalen Welt ist eine Illusion – dahin gekritzelt als Satz, den ich früher oder später irgendwo einsetzen oder vielleicht doch nie nutzen würde. Ich besitze mehr von diesen eilig festgehaltenen Sätzen, Aussagen und Textfragmenten als freien Speicherplatz auf meinem Rechner – ein Kind meiner Zeit. Vielleicht ist dieser Satz eine weitere Frage nach dem WIE. Die Antwort liefert nun ein modernes Verfahren, das uns schon bald in den verschiedensten Lebensbereichen begegnen könnte.

DER BLOCKCHAIN AUF DER SPUR.

Manche von uns, die in den nahezu perfekt vernetzten Teilen der Welt leben, denken über neue Technologiebegriffe mit einer Gelassenheit nach, die andere vielleicht für arrogant halten. Nämlich: gar nicht. Ich spreche noch immer von mir. Blockchain prasselte als Begriff erstmals in erwähntem Sommer auf mich ein. Als jemand, der nicht tagtäglich alle Neuerungen in diesem Sektor zum Thema hat, bewegte ich ihn nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde in meinem Kopf, ehe ich ihn beiseite schob. Eine bewährte Methode meiner Generation: Ist es wichtig und setzt sich durch, lern’ ich es schon kennen. Als mich ein Softwareunternehmen engagierte und bat, ihr Blockchain-Verfahren zu beschreiben, begab ich mich auf die Suche nach Informationen. Haben Sie Blockchain schon einmal gegoogelt? Es ist, wie eine dieser Ketten im Baumarkt von der Rolle zu ziehen: Blockchain, Bitcoin, Data, Krypto, Hash, Ledger, Auditing, Proof, Validator … die Kaskade der Begriffe scheint nicht enden zu wollen. Ich nehme an dieser Stelle gerne mein Fazit vorweg und verspreche Ihnen, dass die Blockchain uns nicht in die Chain of Fools der Begriffsstutzigen einreihen und uns ratlos zurücklassen wird. Was hier ineinandergreift, ist ein System, das eben jener Transparenz den Boden ebnet, die ich für unerreichbar hielt.

DIGITALES NOTIZBUCH.

Normalerweise ist ein Notizbuch eine private Angelegenheit. Heute habe ich also meines für Sie aufgeschlagen, um mit Ihnen das Blockchain-Verfahren zu begutachten. Ich lehne mich vielleicht auch nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich die Blockchain selbst mit einem digitalen Notizbuch vergleiche. Statt nur einer Person nutzen es jedoch alle Teilnehmer innerhalb eines festgelegten Verwendungszwecks. Auf meinem Büchlein steht, in Goldprägung auf ledernem Untergrund, das Wort »Notes« – die Blockchain kann unter den Prämissen vielseitigster Use-Cases stehen. Denn auch, wenn das Prinzip eher nach starrer Buchhaltung denn nach kreativer Ideennutzung klingt, ist die Blockchain in verschiedensten Wirtschafts- und Industriebereichen einsatzfähig. Doch dazu später mehr. Sobald jemand etwas in diesem digitalen Buch notiert, ist es auch für die anderen Nutzer augenblicklich einsehbar. Diese verifizieren den neuen Eintrag digital – das geschieht ganz automatisch und erst im Anschluss gilt die Erfassung oder Transaktion als erfolgt. Die Einträge bestehen aus einzelnen Zeilen, die irreversibel sind. Anders als im Notizbuch eines Autors, wo waidwunde Textentwürfe von immer neuen Denkansätzen zeugen, bleibt in der Blockchain alles leserlich, klar und dauerhaft abrufbar. Für immer. Und sollte einer der Nutzer über längere Zeit nicht am System angemeldet sein, erhält er beim nächsten Einloggen alle relevanten Informationen und Daten. In diesem Notizbuch sind also alle Teilnehmer dauerhaft und gleichzeitig auf dem neuesten Stand. Das und die Tatsache, dass unbegrenzt viele Teilnehmer in einer Blockchain registriert sein können, die jedem Eintrag erst durch ihre Authentifizierung zur Gültigkeit verhelfen, schafft eine nahezu fälschungssichere Arbeitsbasis. Ergo: Transparenz.

DIE KETTE DER MÖGLICHKEITEN.

In meinem Notizbuch steht auf derselben Seite mit oben genanntem Satz noch ein
auffälliges Wort: Steuerchaos. Vielleicht liegt darin der Sinn konzeptlosen Notierens – man bereitet Impulse für die Zukunft vor. Denn gerade in Bereichen wie der steuerlichen Erfassung könnte die Blockchain Wunder bewirken. Würden relevante Einnahmen und Ausgaben via Blockchain-Verfahren automatisch erfasst und verifiziert, könnte der individuelle Steuerbetrag nicht nur exakt und blitzschnell berechnet werden – auch die Fehlerquote und der bürokratische Aufwand wären vom Tisch. Aber schauen wir uns einmal Branchen an, bei denen ich nicht den Konjunktiv bemühen muss: die Immobilienwirtschaft etwa. Hier starten bereits die ersten Pilotprojekte, um den umstrittenen Markt transparenter und sicherer zu machen. Für Käufer von Wohn- und Gewerbeimmobilien liefert die Blockchain die Basis, um alle Verträge und Transaktionen verschlüsselt und verifiziert vorzunehmen. Erst, wenn Immobilie und Kaufpreis in der Blockchain registriert und von allen Teilnehmern bestätigt werden, kommt es zum Geschäft, das wiederum über Bitcoins von einem Wallet ins andere stattfindet – und natürlich ebenfalls von allen Blockchain-Stellen validiert wird. Übrigens bleiben die Transaktionsteilnehmer dabei in weiten Teilen anonym. Sie identifizieren sich über die Kennungen ihrer »Wallets«.

BLOCKCHAIN FÜR IMMOBILIEN.

Die Blockchain schafft keine gläsernen Menschen, sondern tritt an, um Vorgänge umfassend sicher und verbindlich zu gestalten. Und da die Buchungstexte, mit denen diese Vorgänge in der Blockchain dokumentiert werden, frei wählbar sind, kann das Verfahren zweckabhängig für verschiedenste Projekte genutzt werden. Auf der Seite der Immobilienverkäufer setzt etwa ein regionales Immobilienportal den Big Playern sein Blockchain-Modell entgegen. Unabhängige Makler erwerben darüber z. B. einen Anteil am Portal und nutzen einen gemeinsamen Werbefonds. Weitere Einsatzbereiche umfassen internationale Zahlungen und komplexe Buchungen auf den Kapitalmärkten oder schließen die Schlupflöcher der Möglichkeiten zur Geldwäsche. Das Netz wird durch die Blockchain unkomplizierter, transparenter und sicherer. Die Blockchain schafft keine gläsernen Menschen, sondern tritt an, um Vorgänge umfassend sicher und verbindlich zu gestalten. Und da die Buchungstexte, mit denen diese Vorgänge in der Blockchain dokumentiert werden, frei wählbar sind, kann das Verfahren zweckabhängig für verschiedenste Projekte genutzt werden. Auf der Seite der Immobilienverkäufer setzt etwa ein regionales Immobilienportal den Big Playern sein Blockchain-Modell entgegen. Unabhängige Makler erwerben darüber z. B. einen Anteil am Portal und nutzen einen gemeinsamen Werbefonds. Weitere Einsatzbereiche umfassen internationale Zahlungen und komplexe Buchungen auf den Kapitalmärkten oder schließen die Schlupflöcher der Möglichkeiten zur Geldwäsche. Das Netz wird durch die Blockchain unkomplizierter, transparenter und sicherer.

DIE BLOCKCHAIN – EIN UNIVERSELLES INSTRUMENT.

Doch die Blockchain beschränkt sich nicht auf das Finanz- und Immobilienwesen allein. So können zum Beispiel auch Künstler und Publizisten über das System urheberrechtliche Eintragungen vornehmen. Wird ein Werk erworben oder heruntergeladen, ordnet die Blockchain den Geldbetrag direkt dem entsprechenden Urheber zu. Schwindende Chancen für Raubkopierer inklusive! Überhaupt steckt in der Transparenz, die uns das Blockchain-Verfahren liefert, eine Kampfansage an das Fälschertum vieler Bereiche. Von der Pharmaindustrie bis hin zu Versicherungen und dem internationalen Schmuck- oder Designhandel bleiben über die Blockchain ganze Vorgangs- und Transaktionsstrecken durchweg nachvollziehbar. Taucht ein Produkt auf dem Markt auf, das beim Scan des Produktcodes nicht den zugewiesenen Blockchain-Verlauf anzeigt, wird die Ware als Fälschung direkt aus dem Verkehr gezogen. Im Notizbuch wie in der Blockchain geht es grundsätzlich um eines: das Festhalten von Daten und Inhalten. Diese bilden die Grundlage für eine verbesserte Interaktion von Individuen, Unternehmen und digitalen Services. Durch die flexiblen Einsatzmöglichkeiten der Buchungstexte ist die Verwendung von Blockchain-Systemen in nahezu jedem Lebensbereich möglich. Wir teilen uns darüber Autos und vermieten Wohnungen. Unsere Gesundheitsdaten werden sicherer, während wir Missverständnisse bei Behandlungen und Medikationen ausschließen können.

Im Energiewesen erleichtert die Blockchain das Einspeisen für private Erzeuger und gestaltet Abrechnungen für den Verbraucher rundum nachvollziehbar. Und in den Weiten des WWW räumt die Blockchain überall dort auf, wo Transparenz und Sorgfalt im Umgang mit Daten, Zahlungsmitteln oder anderen Valoren gefragt sind. Wo Prozesse vereinfacht und Verbindlichkeiten gesichert werden sollen, bietet die Blockchain praktische Lösungen ohne lange Vorlauflaufzeit und komplexe Voraussetzungen. Dadurch wird das System schon heute zum wichtigen Bestandteil digitaler Neuerungen, etwa beim Internet of Things.

EINFACH WIE EINE NOTIZ, SCHNELL WIE EIN GEDANKE.

So, wie ich Sie nun also zwischen die Seiten meines persönlichen Notizbuches mitgenommen und vergangene Gedanken für dieses aktuelle Thema eingesetzt habe, können auch die verbuchten Aktionen innerhalb einer Blockchain zu einem späteren Zeitpunkt nützlich sein. Doch während ich nicht dafür garantieren kann, dass meine Kladden in zwei, drei, fünf Jahren die Quelle neuer Inspirationen sein werden, bleiben die Daten in der Blockchain konstant und sicher erhalten. Es ist also mehr als nur die von mir angezweifelte Transparenz, die diese Entwicklung in unsere Leben bringt – beruflich wie privat baut die Blockchain Fundament der Zuverlässigkeit, auf dem wir vielleicht auch der empraktische[n] Überstilisierung eines unerreichbaren Lebensstandards eine authentische und greifbare neue Lebensweise im digitalen Alltag errichten. Ich bin bereit – und Sie?

HABEN SIE ALLES NOTIERT?

Was in Ihrem Notizbuch nicht fehlen darf? Unsere Telefonnummer! Sprechen Sie uns an: wir helfen Ihnen, Ihre Daten als den Rohstoff zu nutzen, der sie sind. Und für das kommende Zeitalter der Blockchain geben wir Ihnen gerne individuelle Lösungsansätze [aus unseren Ideenbüchern] an die Hand!

ÜBER TIMO HESS.

Weil ein neuer Drucker geliefert wurde, musste unser Autor Timo Heß Platz in seinem Büro schaffen und fand dabei die Notizbücher, die ihn zu diesem Artikel inspirierten. Neue Technologien lassen die Kreativität manchmal eben ganz unmittelbar zu Tage treten! Grundsätzlich gilt bei ihm: er kann nicht anders, als es anders zu machen. Der freie Autor, Texter und Hobby-Literaturwissenschaftler sprengt mit Leichtigkeit und Freude am Neuen die intellektuellen Grenzen jedweden Genres. Das Ergebnis sind Texte, die zum Frühjahrsputz der Sichtweisen herausfordern – am besten im gedanklichen Winter! Und bei allem wissenschaftlichem Eifer dürfen auch die schönen Seiten unseres Alltags nie außer Acht gelassen werden. Für Timo Heß gilt: Mitten im Leben muss ein Texter stehen! Von da aus geht es mit der Lupe in der Hand in die Welt der neuesten Digitalisierungs-Trends.

Der Artikel als Illustration.

Sichern Sie sich die grafische Interpretation dieses Artikels von Janina Röhrig als Download.

NEWSLETTER-REGISTRIERUNG.

Bleiben Sie stets informiert mit unserem Newsletter.