Ein Leben in Freiheit – Last oder Gabe?

Orientierung finden im Orbit der unbegrenzten Möglichkeiten.
Januar 2018

Ein Leben in Freiheit – Last oder Gabe?

Orientierung finden im Orbit der unbegrenzten Möglichkeiten.

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ORIENTIERUNG FINDEN IM ORBIT DER UNBEGRENZTEN MÖGLICHKEITEN.

Die Wahl zu haben, ist schön. Aber, wenn man genau hinguckt, auch verdammt anstrengend. Allein den Überblick über die zahllosen Angebote der diversen Medienportale zu behalten, ist eine Challenge. Wie soll man sich da zurechtfinden und entscheiden. Orientierung? Help yourself. Oder?»tot« ist.

WIR HABEN ALLE FREIHEITEN: ABER HABEN WIR AUCH DIE FÄHIGKEITEN, SIE ZU NUTZEN?

Um es mit Karl Valentin zu sagen: Freiheit ist schön, macht aber viel Arbeit. Denn so schlicht und einfach das Wörtchen daherkommt, es ist kompliziert. Das fängt schon damit an, dass es DIE Freiheit nicht gibt, so wie es etwa DAS Auto gibt. Konzepte von Freiheit gibt’s quasi wie Sand am Meer – in Philosophie, Ökonomie, Politik, Theologie, Soziologie; es gibt die Freiheit der Kunst, die der freien Meinungsäußerung undundund. Freiheit allerorten.

Im Prinzip können wir in unserer demokratisch-pluralistischen Mediengesellschaft tun und lassen, was wir möchten. Solange wir niemanden schädigen, nichts kaputt hauen, die Grünflächen nicht betreten, das Finanzamt nicht beschwindeln und ansonsten halbwegs zivilisiert miteinander umgehen. Wir dürfen denken, glauben, sagen, was wir denken, glauben, meinen. Jeder hat die Freiheit, sich seinen individuellen Welt- und Lebensentwurf zurechtzuzimmern. Und da fängt der Schlamassel an. Freiheit funktioniert nämlich nicht voraussetzungslos. Sie fordert Entscheidungen. Sie fordert Wissen (oder zumindest: Informiertheit). Sie ist kein kuscheliges Verwöhngeschenk, sondern ein hartes Stück Arbeit.

DIE QUAL DER WAHL: SIND WIR ZUR FREIHEIT GEBOREN ODER VERURTEILT?

Interessant in diesem Zusammenhang, was der Existenzialismus und sein Erzengel Jean Paul Sartre dazu sagen. Dieser geht davon aus, dass der Mensch absolut frei ist. Er entscheidet selbst, was er ist und wozu er sich macht. Er hat die freie Wahl. Es gibt keinen Gott oder dergleichen, der ihn mit einem (vor-)bestimmten Sinn oder einer Bestimmung ausgestattet hat. Das heißt, jeder hat die volle Verantwortung, jeder muss sich selbst erschaffen. Klingt erstmal ganz gut. Bedeutet aber, dass der Mensch gleichsam »zur Freiheit verurteilt« ist.

Wir tragen die Qual der Wahl, weil wir permanent entscheiden und Position beziehen müssen. Ein hübscher Brocken Verantwortung. Was ist richtig, was ist falsch, woran soll man sich orientieren? Hier bieten die digitalen und klassischen Medien zwar eine Fülle an Möglichkeiten. Nur macht’s das nicht einfacher, im Gegenteil. Die Wirklichkeit wird immer bunter, vielschichtiger, transparenter, aber auch unübersichtlicher, komplexer, veränderlicher.

DIGITALE MEINUNGSVIELFALT: FORDERT ODER ÜBERFORDERT DAS KOMPLEXE ANGEBOT AN OPTIONEN?

Früher, als die Welt noch analog war, war’s so schön einfach: Es gab die F.A.Z., den SPIEGEL und BILD, Tagesschau, Sportschau und Aktenzeichen XY ungelöst. Es gab Nachrichten statt Fake News. Weit und breit kein Google und keine 17 Millionen »Nachrichten des Tages« zur freien Auswahl. Die Welt war überschaubar, die Welt war ordentlich vorsortiert. Heute in der komplexen Fülle digitaler Informationen, Positionen, Optionen ist es ungleich schwerer, den Überblick zu behalten, sich zu informieren, zu orientieren, zu positionieren. In der globalisierten Welt gibt’s keine einfachen Wahrheiten mehr. Alles ist irgendwie miteinander vernetzt.

Über Relevanz und Realitätsgehalt von News und Meinungen entscheidet nicht zuletzt die Anzahl ihrer shares. Schwere- und nicht selten kontextlos flottieren die Beiträge durchs Netz bzw. die Sozialen Medien und wachsen zu kollektiven Narrativen heran. Manche stimmen, manche nicht. Manche sind kompetent recherchiert, manche tun nur so als ob. Manche bieten einfache Lösungen für komplizierte Fragen. Und manch einem, der sich überfordert fühlt, gefällt das.

WELTENTWÜRFE AUS DER ECHOKAMMER: ALLES FAKE?

Echokammern vervielfältigen den Hall unserer Interessen. Sie zeigen die Welt, die der User sie vermeintlich sehen will. Durch Vernetzen, Liken, Teilen hinterlassen wir »Interessensspuren«. Mit diesen Informationen gespeist, liefern die Algorithmen von Facebook & Co. bevorzugt den Content aus, der ins individuelle Raster passt: News, Kommentare, Tweets etc., die der getaggten Sicht der Dinge ähnlich sind. Bestätigung statt Kontroverse. Einfalt statt Vielfalt? Alles Fake? Lassen wir uns von Algorithmen manipulieren?.

Die Medienwirkungsforschung gibt Entwarnung. In einem Beitrag der Heinrich Böll Stiftung »Filter Bubble – Echokammer – Fake News« vom 8. Februar 2017 plädiert Prof. Martin Emmer von der FU Berlin für Gelassenheit. Seiner Meinung nach bilden traditionelle Medien sowie persönliche Gespräche nach wie vor das Gegengewicht. Und, mal ganz nüchtern, ohne Hysterie und Polemik betrachtet, wahrscheinlich hat er Recht. Schon weil man vor der Vielfalt die Augen vielleicht verschließen, ihr sich aber kaum wirklich entziehen kann.

Verfasst von Alex Dankert.

UNSER TIPP: BLEIBEN SIE NEUGIERIG UND LASSEN SIE SICH INSPIRIEREN.

Kurzum: Wir kommen nicht drumrum, den eigenen Kopf einzuschalten und unter Zuhilfenahme der »kritischen Vernunft« (vulgo »gesunder Menschenverstand«) das vielfältige Informationsangebot der on- und offline-Medien zu nutzen. Vergleichen, abwägen, entscheiden, sich eine eigene Meinung BILDEN – ohne das geht’s halt nicht. Am besten, Sie bleiben einfach neugierig. Das war schon immer das Rezept, um irgendwie voranzukommen.

Apropos: Wenn Sie im digitalen Wettbewerb um Kunden sich erfolgreich durch- und Marketingbudgets effizient einsetzen möchten, nutzen Sie die Expertise unserer Berater, Analytiker und Webspezialisten. Ob im Bereich Social Media Advertising, Digital-Marketing-Lösungen, Suchmaschinenwerbung oder Content-Marketing unterstützen wir Sie mit zielführenden Konzepten auf Basis detaillierter Data-Analytics.

Der Artikel als Illustration.

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